“Flintenweiber”

Der 8. Mai 1945 markiert die bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands gegenüber den Alliierten und symbolisiert somit das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Aufgrund des Jubiläums wurde dieser Tag 2020 in Berlin zum Feiertag erklärt.

In Gedenken an alle Opfer dieses schrecklichen Krieges, möchte ich Licht auf eine Gruppe werfen, die in der Kriegsdokumentation bisher kaum vorkommt und schon zur damaligen Zeit antagonistisch und kontrovers wahrgenommen wurde: Frauen an der Front (als Soldatinnen sowie Partisaninnen).

Mit Beitritt Russlands zum Zweiten Weltkrieg werden erstmals Frauen in Armeen rekrutiert. Zuvor sind solche Beispiele eher aus Partisan*innengruppen—wie beispielsweise in Spanien während des Bürgerkrieges von 1936-1939—bekannt. So kämpften im Zweiten Weltkrieg bis zu 1 Million Frauen (!) für die Rote Armee, oftmals aus kompletter politischer Überzeugung.

Da die Nazis eine „natürliche“ Rangordnung zwischen den Geschlechtern propagierten, in der Frauen den Männern unterlegen waren, nutze das Regime Bilder von gefangenen Soldatinnen sowie Partisaninnen um darzustellen, wie „feindliche Ideologien“ (beispielsweise der Bolschewismus) eine Gefahr für die NS-Weltordnung darstellen.

Kämpfende Frauen wurden herablassend als „Flintenweiber“ bezeichnet und deren kriegerischer Einsatz kleingeredet. Die so gefürchteten sowjetischen Bomberpilotinnen wurden zudem „Nachthexen“ genannt, da sie vor allem im Schutz der Dunkelheit Flugangriffe durchführten. Gerieten kämpfende Frauen in NS-Gefangenschaft drohte die sofortige Exekution oder grausamste Misshandlungen.

In der UdSSR wurden Soldatinnen als „Frontmatratzen“ beschimpft und—im Gegensatz zu ihren männlichen Kameraden die als Helden gefeiert wurden—kaum gewürdigt. Zudem blieben viele der zuvor als Huren beschimpften Frauen, aufgrund der zu Kriegszeiten erlittenen Verletzungen, oftmals kinderlos.

Gegen Ende des Krieges kamen jedoch auch in Deutschland—aufgrund der Not am Mann—Soldatinnen zum Einsatz und wurden überwiegend als Flakhelferinnen eingesetzt. Diese Position wurde zuvor von Lehrlingen, Ober- und später sogar von Mittelschülern übernommen. Heutzutage würden diese jungen Kämpfer als Kindersoldaten eingestuft werden.

Somit lag am Ende des Zweiten Weltkrieges der Gender Gap innerhalb der deutschen Armee, welche sich anfangs für ihre „natürliche“ Rangordnung feierte, in der Männer an der Front und Frauen am Herd das Ausbreiten des sogenannten „arischen Volkes“ sichern sollten, sogar bei 20:1.

Bis heute bleibt der Anblick von Frauen an der Front des Zweiten Weltkrieges ein seltener. So setzten sich, auch 75 nach Kriegsende, Vorurteile und Sexismen durch. In Russland ist dieser sogar monetär sichtbar, denn Veteraninnen steht bis heute, aufgrund ihres Geschlechts, eine niedrigere Rente zu.

Das Foto zeigt Generalleutnant Nina Lobkowskaja mit Scharfschützinnen der 3. Stoßarmee, 1945. © Museum Berlin-Karlshorst e.V. (Foto credit: Boris Wdowenko)

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