Heilige Brustmilch

Im Mittelalter wurde nahezu aus allen körperlichen Überresten Heiliger (Knochen, Fingernägeln, Haaren…) Reliquien zur privaten sowie kirchlichen Andacht hergestellt. Diese gelten als sogenannte Reliquien erster Klasse und sind besonders wichtiger Bestandteil der Heiligenverehrung - im Vergleich zu bspw. einem Paar Sandalen eines Apostels, die als Reliquien zweiter Klasse eingestuft werden, da sie lediglich in Berührung mit einer heiligen Person kamen.

Für Reliquienhändler jener Zeit war es also besonders lukrativ, körperliche Überreste verarbeiten zu können. Am Beispiel der Jungfrau Maria zeigt sich jedoch ein besonderes Problem: Da sie in den Himmel aufgestiegen war und keinen Körper hinterlassen hatte, mussten die Händler besonders erfinderisch werden und stellte so u. a. kleine Fläschchen gefüllt mit ihrer angeblichen Brustmilch her.

Tausende solcher kuriosen Maria-Reliquien tauchten so im Mittelalter auf. Funfact: Der sächsische Kurfürst Friedrich III. (1463-1525), ein frommer Verehrer des Reliquienkults und passionierter Sammler, soll in seiner umfangreichen Reliquiensammlung mit über 19.000 Exemplaren gleich mehrere Muttermilchproben gehabt haben.

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