“Hidden Mother” Fotografie

Diese unglaublichen Bilder sind Zeugnis eines fotografischen Genres, welches im 19. Jahrhundert Popularität erlangte und heute im englischen als „Hidden Mother Photography“ bekannt ist. Zu dieser Zeit wurde die Fotografie auch beruflich für Frauen zugänglich, weshalb wir annehmen können, dass viele dieser Bilder von Fotografinnen geknipst wurden.

Aufgrund der damals langen Belichtungszeiten von 18-30 Sekunden wurde es zur Herausforderung, Kinder und Babys abzulichten. Manchmal kamen deshalb Tiere zur Ablenkung zum Einsatz, während andere zu Laudanum griffen, einem zur damaligen Zeit beliebten und starken Opioid, was offen als „Freund der Mutter“ vermarktet wurde. Die effizienteste Lösung blieb jedoch, das Kind im Arm zu halten. Da diese Art der Porträtfotografie allerdings nicht dazu intendiert war, die Beziehung zwischen Mutter und Kind darzustellen, sondern den Fokus auf das Kind selbst zu legen, wurde die Branche besonders kreativ um die Mutter regelrecht zu verstecken.

So wurde die Mutter auf eine geistähnliche Existenz reduziert und beispielsweise zum Möbelstück verkleidet, unter Teppichen und Tüchern versteckt, manchmal nur auf einen Arm reduziert oder komplett ausgeschwärzt. Schlussendlich sollte der Fokus auf dem Kind und nicht der Mutter liegen. Ein bizarres fotografisches Phänomen, welches fast in Vergessenheit geraten wäre.

Dank der schwedisch/italienischen Künstlerin Lina Fregni Nagler, die über 1000 dieser aus dem 19. Jahrhundert stammenden Exemplare gesammelt hat (und somit weltweit die größte Sammlung dieser Art innehält) und diese unter dem Titel „The Hidden Mother“ veröffentlichte, erhielt das Phänomen erneute Aufmerksamkeit. Es wurde zur Inspiration zahlreicher Künstler:innen. Eine von ihnen ist die Amerikanerin Jennifer Combe, die sich in einer modernen Interpretation mit ihrer Tochter ablichtete.

Anonyme Fotografien, UK, 19. Jahrhundert

Nach oben scrollen