Lotte Herrlich

Diese Geburtstagskarte von 1934 ist ein Überbleibsel des fotografischen Erbes Lotte Herrlichs (1883-1956). Doch bildet es ein verzehrtes Bild ihres eigentlichen Oeuvres ab. Die Kunst der gebürtigen Chemnitzerin wurde nämlich von den Nazis als „entartet“ betrachtet und ist somit in großen Teilen zerstört und vergessen worden.

Anfang der 1920er-Jahre gehörte sie zu den wichtigsten Vertreterinnen der Nacktfotografie. Zum Fotografieren kam die Autodidaktin nach der Geburt ihres Sohnes, dessen Entwicklung sie fortan in einem sehr persönlichen Buch dokumentierte. „Rolf – ein Lied vom Werden“ (1924) wurde aus 30 Akt- und Natur-Aufnahmen zusammengestellt, das sein Heranwachsen vom Kind zum jungen Mann zeigt. Somit gelang ihr mit diesem Buch etwas, was bis dahin sehr selten war: nämlich die körperliche Entwicklung eines Menschen fotografisch festzuhalten.

Nach 1933 wurde es schwierig für Lotte Herrlich, da ihr Werk als pornografisch, teils sogar als pädophil eingestuft wurde. So wurde diese fotografische Pionierin auf brutalste Weise zur Kinderporträt-, Stofftier und Tierfotografin reduziert.

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