Tante Luisa

Um zur Beerdigung einer Cousine zu fahren, reiste meine Mama vor Kurzem in ein kleines venezianisches Dorf. Hier wohnten meine Großeltern als junges verheiratetes Paar mit ihrer erst-geborenen Tochter—meiner Tante Luise—bevor sie in den frühen 1950-er Jahren nach Frankreich auswanderten. Meine Mama, die später in Frankreich geboren wurde, hat Fotos des Dorfes gemacht und sie meiner Tante gezeigt, die daraufhin folgende Anekdote teilte:

Noch 60 Jahre später habe ich ein komisches Gefühl, wenn ich mich an die Kirche und den Priester zurückerinnere. Besonders nachdem er mich eines Tages bat, nach vorne zum Altar zu kommen und mich aufgrund meines kurzen Rockes und meiner Söckchen (Mama fand es sah süß aus!) vor der ganzen Gemeinde bloßstellte. Was für eine Todessünde! Im Juni einen kurzen Rock zu tragen – und das als Siebenjährige! Außerdem bin ich an dem Tag alleine in die Kirche gegangen, da Mama schon früh morgens hingegangen war. Du kannst dir vorstellen, in was für einem Zustand ich nach Hause kam.

Zur gleichen Zeit war Papa gerade aus Frankreich zurückgekommen, um uns dorthin mitzunehmen. Er ging also zum Priester und teilte ihm mit, dass unsere Familie in zwei Monaten auswandern würde und dass der Kleidungsstil seiner Tochter im Elsass nicht mehr zum Problem führen würde. Ich habe ein bisschen recherchiert und tatsächlich war es so, dass Frauen dort in der Kirche keine Kopfbedeckung mehr tragen mussten und sich so kleiden durften wie es ihnen gefielt (natürlich in Hinblick auf die damalige, doch noch recht konservative Mode gesehen).

Diese Bilder zeigen meine Tante und Oma, Anfang der 1950-er Jahre in Italien.

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